Rallye Raid mit Enduro-France
im Mai 2008 in Südfrankreich
Seit Längerem wollen wir, Almuth und Bernd, mit den Enduros an einer Rallye Teilnehmen. Der Traum eine Paris Dakar zu fahren ist schon seit der Kindheit
vorhanden. Dieser Traum wird sich aber wohl nicht realisieren lassen und so haben wir uns
nach etwas umgeschaut was dem Traum in punkto Afrika, Motorrad,
Navigieren und
sportlichem Anspruch in etwa nahe kommt… und bezahlbar ist. Hier schien uns die
Teilnahme an der Tuareg Rallye in Marokko das richtige zu sein.Doch schaffen
wir es acht Tage am Stück über mehrere Stunden mit unterschiedlichen
Geländebedingungen und der Navigation zu recht zu kommen? Sind wir doch noch nie
so richtig nach einem Roadbook gefahren!
Um die Entscheidung für die
Teilnahme an der Tuareg Rallye besser treffen zu können haben wir uns
entschieden, diese eben beschriebenen Dinge beim Rallye Raid in Frankreich an
vier Fahrtagen für uns auszuloten.
Der
Rallye Raid wurde von einem
französischen Offroadreiseveranstalter angeboten, buchen konnten wir bei Enduro
France, wo alles sehr unkompliziert ablief.
Michel
von Enduro-France, kannten wir von einer gebuchten Woche Endurofahren in der
Provence, wir wussten also worauf wir uns einließen (siehe Bericht Endurocamp
März 2008). ;-)
Endurocamp März 2008
Gesagt
getan, es galt für die Suzuki DRZ 400 SM einen Roadbookhalter (eigene
Herstellung) nebst elektrischem Roadbook und Tripmaster zu besorgen und zu
montieren, einen allgemeinen Check durchzuführen und Ersatzteile zu besorgen.
Bei
Tagesetappen von bis zu 230km reichten die serienmäßigen Tanks der DRZ´ten so gerade aus.
Tanken auf der Strecke war aber in jedem Fall auch
immer möglich und im Roadbook vermerkt.
Enduro-France
bot ein zweitägiges Vorbereitungstraining für den Rallye Raid an,
welches in ca
60km Entfernung zum Startort der Rallye stattfand.
Dieses Angebot hätten wir
gerne genutzt, denn das Enduro France
zur Verfügung stehende Gelände ist ein
"Sahneteil" für jeden Enduristen,
leider ließ sich das zeitlich nicht
realisieren.
Wir
reisten einen Tag vor dem Start des Raids mit unserem "Dieselreisezug"
auf dem in
den Unterlagen als Standort genannten Campingplatz
(mit Pool, warmen Duschen
und zu vermietenden Mobilheimen)
an und hatten auf dem riesigen Platz noch
freie Auswahl.
Um
am Starttag in Ruhe loszulegen, nahmen wir das Angebot war
die technische
Abnahme der Motorräder am Vorabend zu erledigen.
Dabei wurden der ordnungsgemäße
Zustand und die Funktionsfähigkeit
der Enduros gecheckt und alle Papiere auf
Vollständigkeit geprüft.
Dies waren der Führerschein, die grüne
Versicherungskarte und der Fahrzeugschein.
Eine Lautstärkeprüfung wurde
ebenfalls durchgeführt.
Im
Anschluss an die Prüfung musste man einen Strichcode, die Startnummer
und
Aufkleber des Veranstalters auf das Motorrad kleben.
Wenn man nach
Roadbook fahren wollte, wurde einem das Roadbook für den ersten Fahrtag
gegen eine Kaution
von 150Euro (als Cheque) ausgehändigt, dies galt es dann
für den
Roadbookhalter zurechtzuschneiden und zu kleben.
Im
Vorfeld der Veranstaltung hatte Michel angefragt, ob wir am Vorabend der Rallye
zusammen essen wollten, er würde dann in einem Restaurant Plätze reservieren.
Eine super Idee, denn so lernte man schon andere Teilnehmer kennen,
die ebenfalls
über Michel gebucht hatten. Eine bunte Truppe aus Deutschland,
Belgien und
Holland versammelte sich an einem langen Tisch bei Wein,
gutem Essen und Erzählungen
vom letztjährigen Raid (es saßen Wiederholungstäter am Tisch).
Jetzt freuten wir uns
noch mehr auf die bevorstehende Veranstaltung.
Ebenfalls
angereist waren Freunde aus der Nähe von Aachen, Kirsten und Carsten,
die den
Rallye Raid mit ihren BETA Alp 4.0 bestreiten wollen.
Im
Vorfeld zur Buchung des Raids haben wir Carsten und Kirsten gesagt,
das wir den
Raid als Entscheidungshilfe für eine mögliche Teilnahme an der
Tuareg Rallye 2009 sehen
und die Veranstaltung unter sportlich ambitionierten
Gesichtspunkten angehen werden.
Nachdem Carsten uns auf dem Weg
zum gemeinsamen Abendessen frug ob wir nun
tatsächlich getrennt fahren
würden, sind wir noch einmal in uns gegangen, und
haben uns entschlossen
den ersten Tag der Rallye gemeinsam mit Carsten und Kirsten zu bestreiten,
um uns gegenseitig in schwierigen
Geländesituationen oder bei der Navigation zu helfen.
Rallye
Raid Tag eins:
Am
Mann/Frau hatten wir den Rucksack mit Trinkbeutel, Essen und einen erste Hilfepack.
Am
Motorrad waren Ersatzschlauch, Flickzeug, Montierhilfen, Werkzeug, Ersatzhebel
und wie immer besonders wichtig….Kabelbinder untergebracht.
Beim
morgendlichen Briefing auf dem Parkplatz im Ort erfuhren wir, welche Änderungen
bezüglich des Streckenverlaufs oder seitens der Organisation zu beachten waren und
trugen sie
ins Roadbook bzw. ein kleines Büchlein ein.

Dann
endlich der Start, erst durften die Motorräder mit eigener Navigation starten, dazu wurde man gescannt (wie an der Kasse mit Handscanner im Supermarkt),
und
konnte losfahren.
Es
folgten die geführten Motorradgruppen, die Quads/ATV´s und Geländewagen.
Abends
musste man das Roadbook bei der Orga wieder abgeben und erhielt für den Folgetag
ein Neues.
Ebenfalls bekam man ein Roadbook ausgehändigt auf dem der Weg zum
Abendessen beschrieben war.
Das Finden der Lokalität gestaltete sich
zumindest an einem Abend bisweilen etwas schwierig,
was dazu führte, dass in
einer Ortschaft diverse Fahrgemeinschaften mit ihren Autos umherkreisten
um den richtigen Weg zum Essen zu finden.
Mit
unter war die Anfahrt dort hin für Serienfahrzeuge beschwerlich und die
Mitfahrer
mussten aus den Fahrzeugen aussteigen, damit diese nicht
aufsetzten.
Am
ersten Tag kamen wir relativ spät auf dem Campingplatz an,
dann war das
Roadbook für den Folgetag zu kleben und ein wenig zu
studieren (alles auf
französisch), die Motorräder durchzusehen und
die Rucksäcke neu mit
Verpflegung zu packen.
Dies nahm so viel Zeit in Anspruch, das wir
beschlossen das
abendliche Essen sausen zu lassen und gemeinsam bei uns im "Dieselreisezug"
zu kochen.
Es gab ein leckeres Nudelgericht dazu Salat, Baguette und Rotwein
und zum Nachtisch Karamellpudding.
Rallye
Raid Tag zwei:
Nach
einer sehr guten Nacht viel es doch tatsächlich schwer nach dem Klingeln
des
Weckers die Knochen zu bewegen und sich aus dem Bett zu schälen.
Hieran war
dann wohl die ungewohnte Aktivität vom Vortag schuld.
Doch
was half es, raus aus den Federn, Kaffee gekocht und Müsli aufgetischt,
die
Zeit bis zum Start um 9:00 Uhr war schnell verstrichen.
Was
soll ich sagen, irgendwie haben wir es an keinem Tag geschafft
pünktlich am Start zu sein, die zeitig abfahrenden Teilnehmer
auf dem Campingplatz haben
einen dann immer ganz zappelig gemacht.
Doch jedes mal wenn wir am
Start ankamen war noch nicht
einmal das Briefing erfolgt. Wir haben also alles richtig gemacht und konnten
entspannt starten.
Ab
heute fahren wir alleine, da Carsten uns beim Frühstück sehr bildlich
mitgeteilt
hatte, das die Beta´s eher Maultiere sind und er die Rallye
gemütlicher
angehen wolle. Wir hingegen hätten eher Rennpferde und
wollten ja testen wie gut
wir mit dem Roadbook, den höheren Geschwindigkeiten
und weniger Pausen zurecht
kämen. Diese Mitteilung war uns tatsächlich recht,
Carsten hatte die Sache gut
auf den Punkt gebracht uns so war gewährleistet
das jeder, Carsten und Kirsten
mit den Maultieren und Bernd und ich mit
den Rennpferden, in ihrem eigenen Tempo
Spaß haben konnten. Für uns war es ja
tatsächlich das Ziel uns und unser
Equipment im Bezug auf die Teilnahme der
Tuareg Rallye zu testen.
Am
heutigen Tag waren wir deutlich zügiger unterwegs und ich konnte
mich endlich
auf den Umgang mit dem Roadbook konzentrieren, schließlich
hatte ich das zuvor
noch nie gemacht und erstaunlicher weise kam ich ganz
gut zurecht. Dies bestätigte
sich dann auch tatsächlich wenn Bernd vor
mir an dem einen oder anderen
Abzweig vorbei gerauscht ist oder er sich mit
mir abstimmte. Ein erhebendes
Gefühl, wo ich mich doch auf das "BIO-GPS" Bernd
immer verlassen konnte und bei
Roadbooktouren immer ohne eigenes
Roadbook hinterher gefahren bin. Bernd
ich danke dir für das geduldige erklären
der Funktionsweise eines Roadbooks und
das jahrelange alleinige Navigieren
wenn du voraus gefahren bist.
Viel
Spaß hatten wir mit Wim, dem fliegenden Holländer auf einer Yamaha WR450.
Wir nannten ihn so, da er und sein Freund die Etappen mit einer irren
Geschwindigkeit hinter sich brachten, was aber zu Navigantionsproblemen
führte, denn er überholte uns öfter. Wim hatte ein selbstgebauten
Roadbookhalter,
funktioniert super und ist preiswert.
Als
wir um ca. 14:00 Uhr auf dem Campinplatz ankamen zog Wim sich grad seine
Endurojacke aus und fing an das Roadbook zurückzudrehen, er und sein Freund
wollten die Runde gleich noch mal fahren, weil es so schön war…
Wir
genossen den schönen Nachmittag in der Sonne bei Kaffee und Kuchen,
machten die
Motorräder für den nächsten Tag fertig und erlaubten uns ein Nickerchen.
An
diesem Abend bildeten wir Fahrgemeinschaften mit den vorhandenen PKW´s
und rückten
mit dem Essenroadbook zum Abendessen aus.
Hier nochmal danke für das Mitnehmen an Carsten und Kirsten,
was das Ausräumen ihres Fahrzeuges zur Folge hatte, damit wir mitfahren konnten.
Als wir die Lokalität gefunden hatten
stellten wir fest, dass wir die Gebäuderunine, in
der nun das Abendessen serviert wurde, heute schon mit den Motorrädern
umfahren hatten.
Nun war alles festlich geschmückt, ein kaltes Buffet war
aufgebaut und man wurde
am Platz mit einem vier Gänge Menü verwöhnt, dazu gab es
Livemusik.
Einfach ein wunderbarer Abend.
Rallye Raid Tag
drei:
Bernd
hat sich die Mühe gemacht und das Roadbook, welches am
Vorabend ausgegeben
wurde, sehr intensiv studiert und ein
paar Asphaltanteile herausgestrichen
um mehr auf unbefestigten
Wegen fahren zu können. Wir starteten morgens als
erste und
haben ziemlich angegast. Die ersten vier Kilometer des Roadbooks
führten
durch angrenzende Ortschaften die wir uns sparten, in dem
Bernd mit dem GPS
direkt zum ersten Schottereinstieg navigierte.
Bevor wir an diesem ersten Ziel
ankamen überholte uns auf einer Straße
mit vielen engen Kurven Wim und sein
Freund. Kaum waren sie
grüßend an uns vorbei gerauscht ging es links in
eine Ortschaft.
Wir folgten jedoch der kurvigen Straße bis zum Schottereinstieg.
Wim bemerkte nicht das wir nicht abbogen und ich konnte mir ab
diesem
Augenblick ein Grinsen unter meinem Helm nicht verkneifen.
Ich war auf
die Augen von Wim gespannt, sollte er uns eingeholt
haben und an uns vorbei
ziehen, war es doch ein bischen wie der Hase und der Igel.
Es
kam wie es kommen mußte, nach einer sehr langezogenen, mit losen
Steinen belegten
Auffahrt hörte ich, als Bernd und ich das Roadbook
besprachen, die WR von Wim. Etwas verdutzt winkend
aber mit Higspeed rauschten die beiden an
uns vorbei, ich musste lachen.
Dieses
Spiel wiederholte sich noch zwei mal, da wir wieder eine kurze
Asphaltetappe
abkürzten und Wim sich in der Navigation geiert hatte.
Beim dritten mal
überholte er uns erneut und hielt wenige hundert
Meter vor uns an. Wir hielten
ebenfalls an. Kopfschüttelnt saß Wim auf
seinem Motorrad und sagte: "Die
Suzukis hätte er ja wohl ziemlich unterschätzt".
Wir lachten alle ausgiebig, stimmten die Roadbooks ab und
setzten die Fahrt fort.
Mittlerweile
hatten wir uns mit den Streckenverläufen und dem Roadbookfahren
gut
angefreundet, so das wir noch häufiger auf Wim aufliefen und er uns nicht
mehr
wirklich davon fuhr. Ein tolles Gefühl.
Bei
dieser Veranstaltung gab es alles was das Enduroherz höher schlagen läßt,
sandige Auffahrten mit schönen großen Steinen, Felswege bei denen man das Gefühl
hatte es lösen sich alle Schrauben, Nieten und auch Plomben, Abfahrten mit Steinen
groß wie Handbälle,
Bachdurchfahrten, Riesenpfützen, Buschholwege, Wasserrinnen,
schnelle
Schotteretappen und weicher Waldboden. Für diejenigen, denen
Passagen zu schwer waren gab es oftmals Umfahrungen.
An einer Waldkreuzug sahen wir einen umherirrenden Endurodfahrer, der
offensichtlich den Anschluss an seine geführte Gruppe verloren hatte.
Wir bogen wie im Roadbook beschrieben ab, zeigten dem Endurofarer noch
winkend den richtigen Weg, doch er schien uns nicht zu folgen.
Als wir nach ca. 4km aus dem Waldgebiet herauskamen sahen wir
eine Gruppe die ihre Enduros wartend an eine Mauer gestellt hatten.
Wir hielten an und berichteten von dem umherirrenden Endurofahrer im Wald.
Es betätigte sich das er zu dieser Gruppe Franzosen gehörte, denn diese teilten uns mit, dass
es doch ein guter Schnitt sei wenn man bei einer Gruppe von vier Endurofahrern
auf so einer langen Strecke nur einen verliere. Ja wir sind in Frankreich :-)
An
jedem Fahrtag hatte die Orga Sondergelände gebucht, auf denen man sich
ebenfalls
austoben konnte, dies waren Motocross Strecken oder 4X4 Parcours,
ein nettes
Schmankerl um sich nochmal richtig zu verausgaben.
Von
der wunderschönen Landschaft und den Einkehrmöglichkeiten am
Wegesrand hier ein paar Impressionen:
Test
gelungen und für die Tuareg Rallye 2009 angemeldet!
zurück
Alles
in allem eine tolle Veranstaltung.
Merci
Michel, wir kommen wieder und werden es dann sicher etwas französischer angehen
;-)
Bis
zum nächsten mal, wir haben es im Terminkalender 2009 schon eingetragen.
Almuth
und BerndP.S. Die letzte Etappe an Tag vier sind wir auch gefahren und es war sehr schön.Aufgrund des Abreisetages waren jedoch viele Teilnehmer nicht mehr gestartet.
Mehr Bilder -> Rallye Raid Mai 2008